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4 Antworten3'669 AufrufeGestartet von Nachtflug ·

NachtflugThemenstart
#1
Hallo,

Habe mich gerade im 'Neulinge' Forum vorgestellt.

Ich werde im November rekrutiert und habe deshalb noch etliche offene Fragen... Grundsätzlich habe ich das Problem, dass Diskussionen über das Militär extrem polarisieren (Es gibt solche, die es verabscheuen und solche, die es in den Himmel loben). Eine objektive Meinung habe ich deshalb noch nie wirklich gehört.

Meine Situation:

Ich schliesse nächsten Sommer meine Konstrukteurlehre mit BM ab und plane direkt danach meine Militärzeit. Da ich später Maschinenbau studieren will (Ev. auch im Ausland) will ich das Militär unbedingt als DD absolvieren. Infrage kommen würden für mich vor allem die Infanterie oder die Genietruppen. (Ich bin ziemlich sportlich und möchte mich deshalb auch ein bisschen körperlich betätigen)

Ausserdem kam bei mir die Frage wegen dem Weitermachen auf (Ich habe irgendwie das Gefühl, dass ich eh gefärdet bin, da etliche Freunde mit ähnlicher Ausbildung und Fitness auch mussten.)

Fragen:

- Sind die beiden Gruppengattungen die ich erwähnte weniger 'däumchendrehen' gefärdet?

- Wie kann ich das Militär richtig in die Wege leiten, dass es auf mich möglichst nicht langweilig/demotivierend wirkt?

- Wie soll ich mich an der Rekrutierung verhalten? (Alles geben, lieber nicht auffallen...? hat das überhaupt einen Einfluss?)

- Lohnt sich das Weitermachen? (Was macht ein Gruppen/Zugführer überhaupt?)

Das sind so ein paar offene Fragen. Ich wäre froh wenn mir jemand einen Tipp geben könnte, da ich momentan noch ziemlich im Dunkeln tappe und noch überhaupt keine Meinung zu dem habe. Ich kenn das Militär halt nur aus Filmen, also nicht. ;)

#2
So dann versuchen wir mal etwas Licht ins Dunkel zu bringen. ;)

Diskussionen über das Militär polarisieren immer, dass hat das Thema so an sich. Ob jemand (der eine RS gemacht hat) das Militär gut oder schlecht findet, hängt einerseits von der persönlichen Einstellung und andererseits von den gemachten Erlebnissen ab. Somit wirst du auch immer Leute antreffen welche es verabscheuen, solche für die es nichts besseres gibt und wieder andere die es mehr oder weniger neutral anschauen.

- Sind die beiden Gruppengattungen die ich erwähnte weniger 'däumchendrehen' gefärdet?
Meines Erachtens: Ja. Bei der Infanterie wirst du nach der Grundausbildung als Infanterist vorallem für Sicherungs- und Bewachsungsaufgaben ausgebildet. (Schutzaufträge an Konferenzen, Botschaften usw). Weiter werden Sie viel als "Manipuliermasse" verwendet. Will heissen: Wenn z.B angehende Berufsmilitär eine Übung anlegen müssen (zum lernen wie das geht), werden die Inf DD nachher die Übung durchführen, um zu schauen ob das geplante auch umsetzbar ist.

Als Durchdiener der Genie kommst du nach der Rekrutenschule in den Katastrophenhilfe Bereitschaftsverband. Dort wirst zusätzlich zur Genieausbildung, noch in gewissen Bereichen der Rettungssoldaten geschult, anschliessend hälst du dich bereit in der ganzen Schweiz im Katastrophenfall eingesetzt zu werden. Da es zum Glück nicht immer Überschwemmungen oder Erdrutsche gibt, wirst du neben den Übungen, meist auf "Baustellen" in der ganzen Schweiz eingesetzt. Das kann ein Holzgebäude für eine Sportveranstaltung, die Arena für das Basel Tattoo oder eine "Armeeinterne" Baustelle sein.

- Wie kann ich das Militär richtig in die Wege leiten, dass es auf mich möglichst nicht langweilig/demotivierend wirkt?
Erstmal indem du eine Funktion ausübst die dir Spass macht. Da du das natürlich nicht im vornherein wissten kannst, solltest du schauen wo deine Interessen liegen? Willst du eine Kampfausbildung, Schiessen, verschiedene Waffen einsetzten -> Infanterist. Willst du eher Anpacken und Handwerklich arbeiten -> Sappeur (Genie)

Und während dem Militär aktiv mitmachen, so lernst du am meisten und hast eigentlich auch immer etwas zu tun.

Wie soll ich mich an der Rekrutierung verhalten? (Alles geben, lieber nicht auffallen...? hat das überhaupt einen Einfluss?)
An der Rekrutierung läuft es eigentlich nach dem Prinzip "Der Stärkere gewinnt". Wenn du gute Testresultate hast, kannst du eher mit dem Einteilungsoffizier verhandeln als mit schlechten, ist wie bei einer Bewerbung. Also Ja kann einen Einfluss auf deine Einteilung haben.

Lohnt sich das Weitermachen? (Was macht ein Gruppen/Zugführer überhaupt?)
Meiner Ansicht nach, Ja. Nirgendwo sonst lernst und kannst du in so jungen Jahren Menschen zu führen. Auch alles was du betreffend Planung und Organisation lernst, kannst du im zivilen anwenden, z.B später beim studieren. Betreffend was ein Gruppen- oder Zugführer macht, das ist nach Truppengattung stark unterschiedlich, betreffend Infaterie und Genie ist es jedoch in etwa vergleichbar.

Gruppenführer: In der Ausbildungsphase bildest du die Rekruten aus, d.h du planst Lektionen (nach Vorgaben) und gibst diese nachher auch den Rekruten. Auf Übungen und in Einsätzen führst du eine Gruppe (4-8 Soldaten) und führst die Befehle des Zugführer aus. Als Gruppenführer bist du also das Bindeglied zwischen Soldaten und dem Zugführer, sprich deine Leistung und Führung wirken sich direkt auf die Soldaten aus.

Zugführer: Du hast die Verantwortung für deinen Zug was Ausbildung und Erziehung angeht und führst den Zug in allen Lagen (1 Zug = 20-50 Soldaten inkl. Gruppenführer). Du planst die Ausbildungen welche die Gruppenführer anschliessend durchführen, und bildest natürlich auch selbst noch aus. Auf Übungen und im Einsatz erhälst du die Befehle vom Kompaniekommandanten, welche du nachher ausführst / ausführen lässt. Daher führst du nicht direkt die Soldaten sondern die Gruppenführer, kontrollierst das die Aufträge korrekt ausgeführt werden und das Ziel erreicht wird.

Die Erklärungen sind natürlich nur grobe Umschreibungen der Funktionen, man kann endlos über Aufgaben und Tätigkeiten von Gruppen- und Zugführern diskutieren.

Ich hoffe das ist einigermassen Verständlich für jemanden der noch nicht im Militär war. ;)

NachtflugThemenstarter
#3
Danke für diese umfangreiche Antwort. ;)

Jetzt wird es aber interessant wie das mit dem Zugführer aussieht. Wie viel Freiheitein hat man da, was die Trainingsgestaltung anbelangt? Bekommt man da einfach vage Vorgaben (z.B. einfach: In 10 Wochen müssen sie das und das können) oder muss man da nach einem genauen Schema verfahren (z.B. Tag 16: Lauftraining bis um 10:00, Gewehrputzen bis 12:00 etc..?)

Ist man da einfach ein ausführendes Glied in der Hierarchie, oder doch bis zu einem gewissen Punkt sein eigener Chef? (In Bezug auf die Ausbildung des Zuges) Wenn man da echt viel Verantwortung übernehmen darf, dann würde ich mich schon ziemlich für diese Funktion interessieren.

#4
Es gibt Wochenarbeitspläne und Tagesbefehle. Somit ist man eingeschränkt. Aber man kann falls gewünscht genug kreativ sein.

Grüsse

#5
Kein Problem :)

Haha, ich würde sagen es ist so etwas zwischendrin.

1. Wie Barbarians schon gesagt hat gibt es den Wochenpicasso, das ist nichts anderes als eine "Programmübersicht" von Montag bis Samstag.

Diese gibt im groben vor wann welche Ausbildung gemacht wird. Als Beispiel Montag ist ganzer Tag Schiessen in der KD-Box (30m), Dienstag Morgen 2h Theorie und 2h Sport und am Nachmittag San-Ausbildung, usw.

Nun musst du die einzelnen Tage im Detail planen. Für den Montag also welcher Gruppenführer leitet welches Schiessprogramm, welche Schiessprogramme werden in welcher Reihenfolge geschossen usw. Jetzt bist du noch in der Situation, dass du zum Beispiel nur eine KD-Box mit 13 Plätzen hast, aber 30 Rekruten die schiessen müssen. Jetzt musst du noch einen Nebenarbeitsposten einrichten und die Ablösungen richtig planen. Während der Ausbildung überwachst du dann die einzelnen Posten, gibst Tipps und bildest manchmal noch selbst aus.

Am Anfang der RS hat man noch relativ viele Vorgaben, wobei das je nach zuständigem Berufsmilitär anders ist. Später in der RS wirst du dann aber auch Tage haben welche du selbst planst Dies ist zum Beispiel der Fall wenn eine Kompanieübung durchgeführt wird, aber aus Platzgründen nur 2 statt 3 Züge beübt werden können. Dann planst du selbstständig ein Programm für diesen Tag.

2. Man ist beides. Im Militär ist es so, dass jeder Vorgesetze gleichzeitig auch Unterstellter ist. Zugführer ist jedoch die niedrigste Stufe wo man bereits am meisten "Freiheiten" geniesst, man hat seinen Zug und diesen kann und muss man formen und erziehen. Und Ja es ist viel Verantwortung, es ist dein Zug mit deinen Soldaten für welche du von Sonntag Abend bis Samstag Morgen verantwortlich bist, aber der Job gibt einem auch viel wenn man ihn denn richtig macht.

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