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Hallo zusammen

Dieser Bereich des Forums scheint zwar ein wenig eingeschlafen zu sein, aber vielleicht schaut trotzdem ab und zu jemand vorbei. :-)

Ich interessiere mich für einen Swisscoy-Einsatz als PIO. Ich habe keinen militärischen Hintergrund, bin eine Frau und keine 20ig mehr, dies einfach als Randbemerkung. Die Vorselektion habe ich durch und vorab bereits telefonisch das Aufgebot für die beiden Rekrutierungstage erhalten. Mir ist bewusst, dass ich die meisten Infos an den entsprechenden Veranstaltungen erhalte. Dennoch sind noch einige Fragen aufgetaucht, die ich gerne auch an Leute stelle, die über direkte Erfahrung verfügen. Eventuelles Unwissen und daraus entstehende "blöde" Fragen bitte mit Nachsicht behandeln. ;-)

  • Bei jenen mit einer Festanstellung: Wie hat euer Arbeitgeber auf den Einsatz reagiert? Hattet ihr die Möglichkeit, an die alte Arbeitsstelle zurückzukehren oder musstet ihr kündigen?
  • Wie geht man im Camp mit Einsatzleistenden ohne militärischen Hintergrund um? Werden sie eher belächelt im Sinne von "da sucht jemand ein Abenteuer" oder wird kein Unterschied gemacht? Ist es schwierig für solche Personen, sich in der relativ kurzen Zeit der Ausbildung in das militärische Gefüge einzugliedern?
  • Wie ist der Urlaub geregelt? Gibt es fixe Daten, wer wann Ferien hat oder gibt es die Möglichkeit, ein wenig zu planen?
  • Wie sieht die Anwesenheit während der Ausbildung in Stans aus? Ist man die Woche durch in Stans und geht am Wochenende heim oder ist man dauerhaft dort stationiert?
  • Wie war der Kontakt zu euren Angehörigen: Hattet ihr den Eindruck, ihr habt euch irgendwie von ihnen distanziert in der Zeit als ihr weg gewesen seid? 
  • Wie habt ihr die Rückkehr erlebt? War es schwierig, sich wieder in das "alte" Umfeld einzugliedern? 

Vielen Dank im Voraus für eure Antworten und ich freue mich auf Erfahrungsberichte.

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Heyho

 

Selber war ich nie im Ausland stationiert, aber durch lesen und hören kontne ich ein wenig Infos aufschnappen. 

 

Ich vermute kaum, dass es Zivis belächelt werden, da es jeden braucht um die Aufgabe zu erfüllen. Die eingleiderung in die Normale Welt kommt immer drauf an wie lange man weg ist und auf sich selbst. Man muss bedenken, dass man im Militär weder Miete zahlen noch einkaufen muss und auch sonstige Alltagsdinge wegfallen. Somit muss man sich erst mal wieder umgewöhnen, wenn man Zuhause ist.

 

 

Freundliche Grüsse

 

 

Jan Najer

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Liebe stewa

Ich habe als stv. PIO im 29. Kontingent und als PIO im 30. Kontingent der Swisscoy gedient (insgesamt: Oktober 2013 – Oktober 2014). Gerne gebe ich dir eine Antwort auf deine Fragen.

  • Bei jenen mit einer Festanstellung: Wie hat euer Arbeitgeber auf den Einsatz reagiert? Hattet ihr die Möglichkeit, an die alte Arbeitsstelle zurückzukehren oder musstet ihr kündigen?
    • Weil bei mir sowieso eine befristete Anstellung zu Ende ging, hat sich mir diese Frage nicht gestellt. Ich finde, es ist für Aussenstehende schwierig einzuschätzen, wie der eigene Arbeitgeber darauf reagieren wird.
    • Meines Erachtens kommt das letzten Endes sehr auf die Persönlichkeit des Chefs an. Ist es der "Patron-Typ", der der Armee grundsätzlich gütlich gesinnt ist, dann wird es wohl eher akzeptiert. Junge, dynamische und Chefs anderer Staatsbürgerschaft haben dafür womöglich weniger Verständnis.
    • Ich würde probieren, deinem Arbeitgeber diesen Einsatz so "zu verkaufen", dass er einsieht, dass du auch für deine künftige Tätigkeit innerhalb deines Unternehmens grossen Nutzen aus dem Einsatz ziehen wirst.
       
  • Wie geht man im Camp mit Einsatzleistenden ohne militärischen Hintergrund um? Werden sie eher belächelt im Sinne von "da sucht jemand ein Abenteuer" oder wird kein Unterschied gemacht? Ist es schwierig für solche Personen, sich in der relativ kurzen Zeit der Ausbildung in das militärische Gefüge einzugliedern?
    • Ich habe die Erfahrung gemacht, dass zwischen Angehörigen der Armee und sog. Neo-Militärs kaum bis gar kein Unterschied gemacht wird. Wichtig ist, dass du die nötige Kompetenz in deinem Fachbereich mitbringst, in das militärische Umfeld wächst du sehr schnell von allein herein.
    • Du musst dir einfach von Anfang an bewusst sein, dass Militär bedeutet, täglich die Uniform (und ausserhalb des Camps die Waffe) zu tragen und ein paar Abstriche hinsichtlich Komfort und Unterkunft usw. in Kauf nehmen zu müssen. Weil du aber schon während des Einführungskurses in Stans-Oberdorf innerhalb denselben Strukturen und mit der gleichen Infrastruktur zurecht zu kommen lernst, wird das bei Einsatzantritt im Ausland keine grosse Umstellung. Und angenommen, du würdest während der Ausbildung in der Schweiz merken, dass du Mühe mit einer solchen Lebensweise hättest, könntest du jederzeit wieder davon absehen, den Einsatz tatsächlich zu leisten. Der definitive Einsatzvertrag wird nämlich erst nach Ablauf der Ausbildung unterschrieben.
    • Grundsätzlich wird nur so viel Militär praktiziert wie für den Dienstbetrieb vor Ort und den Einsatz nötig ist (also kein stundenlanges Taktschrittlaufen aus purer Freude am Militär, wie du es vielleicht schon einmal in einem RS-Betrieb gesehen hast), die grundlegenden militärischen Verhaltensweisen (z.B. Grüssen) und Abläufe (Antrittsverlesen, gewisse Zeremonien etc.) gehören aber trotzdem dazu.
    • Zum Schluss noch dies: Nur deine Kameradinnen und Kameraden aus dem Schweizer Kontingent werden wissen, dass du Neo-Militär bist. Im Camp Film City, Pristina, wo du als Angehörige des Stabes des Kommandanten stationiert sein wirst, sind Armeeangehörige aus mehr als 25 versch. Nationen unterwegs. Diese nehmen dich als vollwertiges Mitglied der Schweizer Armee wahr und sehen dir deine (nicht vorhandene) Militärkarriere nicht an.
       
  • Wie ist der Urlaub geregelt? Gibt es fixe Daten, wer wann Ferien hat oder gibt es die Möglichkeit, ein wenig zu planen?
    • Zu meiner Zeit (und das wird wohl immer noch so sein) war es so, dass jede und jeder während der Dauer seines befristeten, 6-monatigen Arbeitsverhältnisses im Ausland rund 20 Ferientage zugute hatte. Diese Ferien müssen üblicherweise in zwei Tranchen bezogen werden. Ferienantritt und -ende sind jeweils dienstags oder freitags, weil dann der Versorgungsflug in die Schweiz bzw. retour unterwegs ist, mit dem man kostenlos nach Basel fliegen kann (ab Pristina direkt irgendwo anders hin in die Ferien zu fliegen, wird – abgesehen von Notfällen – nicht bewilligt, man muss immer zuerst nach Basel).
    • Die Planung der Ferien obliegt grundsätzlich dem S1 (= Personalchef) des Kontingents. Die Herangehensweise bei der Planung ist von Kontingent zu Kontingent unterschiedlich. Im 29. Kontingent wurden alle während des Ausbildungskurses in Stans aufgefordert, ihre Ferienwünsche in Form von Prioritäten schriftlich einzureichen. Die Personalabteilung hat dann die Planung gemacht und die individuellen Feriendaten bekanntgegeben. Beim 30. Kontingent hat der S1 quasi eine "Ferienbörse" veranstaltet, wo sich das ganze Kontingent eines Abends während des Ausbildungskurses in Stans in der Turnhalle versammelt hat und dann wurde so lange verhandelt, abgeglichen und "gefeilscht", bis mehr oder weniger alle Ferien fixiert waren.
    • Grundsätzlich gibt's zwei Faustregeln, was die Ferien angeht: Die Stellvertreterregelung muss gewährleistet sein (d. h. du kannst nicht gleichzeitig wie dein stv. PIO Urlaub beziehen) und es darf immer nur eine gewisse Prozentzahl der Leute des Gesamtkontingentes gleichzeitig in den Ferien sein (Stichwort: stetige Aufrechterhaltung der Einsatzbereitschaft) (aber eben: Darum kümmert sich der S1).
    • Langer Rede kurzer Sinn: Ja, die Ferien sind durchaus zu einem grossen Teil planbar bzw. du hast ein Mitspracherecht, das wenn immer möglich berücksichtigt wird. Eine gesunde Portion Flexibilität (falls es dann mit deinem Wunsch doch nicht klappt...) ist aber sicher nicht schlecht.
       
  • Wie sieht die Anwesenheit während der Ausbildung in Stans aus? Ist man die Woche durch in Stans und geht am Wochenende heim oder ist man dauerhaft dort stationiert?
    • Am Wochenende gehst du nach Hause. Üblicherweise Entlassung jeweils samstagmorgens um 7 Uhr und Sonntagabend, spätestens Mitternacht, musst du zurück in deinem Unterkunftscontainer sein.
    • (Grundsätzlich hätte dein Kommandant die Möglichkeit, diese Regelung einzuschränken, habe aber noch nie erlebt, dass ein Kommandant davon Gebrauch gemacht hätte.)
       
  • Wie war der Kontakt zu euren Angehörigen: Hattet ihr den Eindruck, ihr habt euch irgendwie von ihnen distanziert in der Zeit als ihr weg gewesen seid? 
    • Ich persönlich: nein. Aber: Ich habe keine Kinder und bin/war nicht liiert. Das hat es einfacher gemacht. Aber meine Kameraden, die Ehefrau und Sprösslinge Zuhause hatten, haben z. B. jeden Abend mit zu Hause geskypet (WLAN ist verfügbar im Camp). Und die Tatsache, dass der Einsatz dank Ferienbezug faktisch gedrittelt werden kann, macht die Abwesenheit und die Distanz zu den Liebsten erträglich.
       
  • Wie habt ihr die Rückkehr erlebt? War es schwierig, sich wieder in das "alte" Umfeld einzugliedern? 
    • Natürlich ist es eine Umstellung, wieder ins Zivilleben zurück zu kehren. Ich persönlich habe mich aber sofort wieder zurechtgefunden und hatte keine Angewöhnungs- oder "Resozialisierungs-" Schwierigkeiten.
    • Aber auch hier gilt wieder: Es kommt darauf an, was für ein Mensch du bist. Die einen brauchen länger, bis sie wieder zu Hause und in ihrem Umfeld richtig Fuss fassen, bei anderen geht es schneller. Diesbzgl. gibt's ja auch kein richtig oder falsch.
    • Übrigens: Die Schweizer Armee (insbesondere das Komp. Zen. SWISSINT, die Armeeseelsorge und vor allem auch der Pädagogisch-Psychologische Dienst PPD der Armee) geben sich alle Mühe, ihre Einsatzkräft im Ausland zu betreuen und zu begleiten. Alle diese Anlaufstellen besuchen das Kontingent in regelmässigen Abständen und erkundigen sich, wie es den Leuten geht. Der PPD organisiert sogar jeweils ein kleines "Rückkehrvorbereitungstraining", wenn sich der Einsatz dem Ende entgegen neigt. Falls du dazwischen irgendwelche Hilfe brauchst, gibt es genügend Anlaufstellen.
       

Das wär's für's Erste! :-) Ich hoffe, dass ich dir mit meinen Antworten weiterhelfen kann. Falls du weiterführende Auskünfte möchtest, sag Bescheid.

Herzliche Grüsse und guten Wochenstart

Christian

 

bearbeitet von ian
Ergänzungen und Typos
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Ich war noch nie militärisch im Ausland, durft jedoch als Zeitmilitär 2014 in Stans die Anwärter Ausbilden.

Da wir z.B. Pistolenausbildungen leiten durften, war der Mix in den Gruppen sehr spannend.

Da waren von Frauen ohne Militärische Ausbildung, frischen Offizieren über Pfarrer bis hin zu Oberstlt alles vorhanden.

Einen drastischen Unterschied zwischen Mil und Zivi haben wir kaum bemerkt. Die Frauen haben teilweise sogar besser geschossen als der Pfarrer. ;)

Selbstverständlich merkte man an den Formen, wer eine Rekrutenschule abgeschlossen hatte, jedoch gaben sich alle sehr viel Mühe und nach einer Weile merkte man fast keinen Unterschied mehr.

 

Mitlerweile kenne ich einige, die einen Einsatz geleistet haben.

Eine Aussage, welche ich einige Male gehört habe war, dass es doch eine lange Zeit war.

Der 6 Monatige Einsatz war vorhersehbar. Die 3 Monatige Ausbildung in Stans wurde ein bisschen "vergessen". So sind es halt doch auch 9 Monate insgesammt, welche man kaum/keine Freizeit mehr hat.

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vor 15 Stunden schrieb Scarabani:

So sind es halt doch auch 9 Monate insgesammt, welche man kaum/keine Freizeit mehr hat.

Freizeit hat man schon... ;-) (6-Tage-Arbeitswoche im Einsatz, sonntags üblicherweise Day-Off, sofern es der Dienst zulässt, ansonsten kann dieser Day-Off nachgeholt werden, und nach dem Abendessen hat man in der Regel Feierabend). Bloss verbringt man diese Freizeit halt die meiste Zeit mit den Kameraden oder Millitärs anderer Nationen (gibt tolle neue, internationale, Bekanntschaften, sofern man dafür offen ist...) :-D Und man bedenke: Die Anzahl Ferientage, die man gemäss Arbeitsvertrag während dieses halben Jahres zugute hat, ist vergleichsweise grosszügig bemessen. Und im Ausbildungskurs gibt's ja noch die Wochenenden.

bearbeitet von ian
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Hallo zusammen

Ganz herzlichen Dank für eure Antworten, das ist genau das, was ich mir erhofft hatte: Erfahrungen aus erster Hand, damit kann man etwas anfangen. Ich schaue jetzt mal, wie die beiden Rekrutierungstage werden. :-)

Liebe Grüsse und merci für eure Zeit
Steffi

bearbeitet von stewa
typos
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Heyho
 
Selber war ich nie im Ausland stationiert, aber durch lesen und hören kontne ich ein wenig Infos aufschnappen. 
 
Ich vermute kaum, dass es Zivis belächelt werden, da es jeden braucht um die Aufgabe zu erfüllen. Die eingleiderung in die Normale Welt kommt immer drauf an wie lange man weg ist und auf sich selbst. Man muss bedenken, dass man im Militär weder Miete zahlen noch einkaufen muss und auch sonstige Alltagsdinge wegfallen. Somit muss man sich erst mal wieder umgewöhnen, wenn man Zuhause ist.
 
 
Freundliche Grüsse
 
 
Jan Najer

Hoi Jan Lg Arlind


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