Während der RS in den Zivildienst gewechselt: Plagende Gedanken

diego.mcb

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03. Feb. 2025
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Hoi zämme

Ich bin im Sommer 2025 in die RS in Airolo eingerückt. Es war zwar nicht meine Wunschfunktion, dennoch war es mir ein grosses Anliegen, meinen Militärdienst zu leisten.

Die ersten Tage haben mir stark zugesetzt. Als Maturand war für mich vieles neu, und ich fühlte mich rasch überfordert. Auch die Infrastruktur der Kaserne waren katastrophal. Schon früh kamen bei mir Gedanken an einen Wechsel in den Zivildienst auf, allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch keine endgültige Entscheidung getroffen. Hinzu kam, dass alle drei Kampfstiefel, die ich bei der LBA in Monteceneri erhielt, viel zu eng waren. Ich litt dauerhaft unter starken Schmerzen an meinen Füssen und habe bis heute Probleme dadurch (besonders bzgl. Hornhautbildung). Trotz mehrfacher Bitten wurde mein Anliegen von niemandem im Kader ernst genommen. Auch bei der Ausrüstung meines Stgw90 fehlte mir ein Verlängerungsband, das ich trotz mehrfacher Nachfrage nie erhielt, was die Teilnahme an der Grundausbildung für mich (187cm gross mit 105kg relativ muskulösem Bau) zusätzlich erschwerte.

Beim ersten Marsch kam schliesslich der Punkt, an dem ich körperlich nicht mehr konnte. Die Schmerzen in meinen Füssen waren unerträglich, das Stgw und der Karusa schnitten ein, und ich fühlte mich völlig überfordert. Ich versuchte wiederholt, meine Situation zu schildern (ich war am betteln!), stiess jedoch bei den Wachtmeistern auf wenig Verständnis und wurde nicht ernstgenommen. Schliesslich brach ich zusammen, weil meine Füsse schlichtweg nicht mehr mitmachten.

Diese Beschwerden konnte ich von mir aus nicht lösen und ich wurde damit völlig alleine gelassen - ich erhielt weder von den Wachtmeistern noch von meinem Leutnant, Oberleutnant oder dem Militärarzt die Unterstützung, die ich gebraucht hatte. Ich fühlte mich nicht ernst genommen und als Person kaum wahrgenommen. Diese Hilflosigkeit führte dazu, dass ich nur noch den Wunsch hatte, aus dieser Situation herauszukommen - schliesslich habe ich täglich gebettelt, dass man mir mit meinem Anliegen hilft, aber stiess nur auf leere Ohren. Da für mich eine Zivilschutz oder Doppelt-UT nicht infrage kam, blieb als einziger Ausweg der Zivildienst. In Woche 4 oder 5 bin ich schliesslich gewechselt. Ich hielt die Situation psychisch und körperlich (an den Füssen) nicht mehr aus.

Mittlerweile ist etwa ein halbes Jahr vergangen, und dennoch beschäftigt mich diese Entscheidung bis heute. Ich war ursprünglich sehr motiviert und freute mich auf den Militärdienst. Im Nachhinein frage ich mich oft, ob ich nicht hätte durchhalten sollen – zumindest bis zum Ende der RS. Ich hatte bereits wertvolle Kameradschaften geschlossen, und auch meine Eltern waren sichtlich stolz, wenn ich im Tenü nach Hause kam. Ich konnte mir sogar vorstellen, mich später zum Mil Az Anw anzumelden. Doch diese Möglichkeit ist nun vorbei – ich habe mich selbst aus dem System genommen. Seitdem leiste ich Zivildienst und habe "nur" noch rund 160 Diensttage vor mir. Dennoch vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht an meine Zeit im Militär zurückdenke und Reue empfinde.

Es tut mir leid, wenn diese Geschichte banal oder unbedeutend erscheint. Doch ich möchte ehrlich um Rat fragen: Wie kann ich mit diesem Kapitel abschliessen? Die Gedanken daran belasten mich immer wieder, trüben meine Stimmung nachhaltig und ich möchte einfach ein Ende finden. Danke!
 
Kann deine Gedanken nachvollziehen, ich glaube jedoch, dass man immer das will was man nicht hat. Bist du im Militär willst du ins Zivi und bist du dann im Zivi willst du wieder zurück.Aber ich glaube nicht, dass du wirklich viel verpasst, ich glaube du hast dir einen Gefallen getan. Wenn deine Wachmeister gar nicht auf dich achtgegeben haben wieso willst du dann zurück? Ich bin selber Maturand gefühlt der einzige als Logistiksoldat, wenn es mit meinem Studium aufgehen würde, wäre ich wahrscheinlich in den Zivildienst gewechselt…Ich habe das Gefühl du Idealisierst das Militär ein bisschen. Kurz gesagt glaube ich du hast die richtige Entscheidung getroffen

LG
 
Als ehemaliger Wm finde ich es besonders schade, so etwas lesen zu müssen.

Sollte die Situation so wie du sie schilderst den Tatsachen entsprechen (es gibt immer zwei Seiten - nicht böse gemeint), dann hast du dir einen Gefallen getan. Gesundheit geht vor allem anderen. Im Nachhinein kann man sagen hättest du dies, oder wärest du das, aber schlussendlich geht es darum, dich nicht selbst kaputt zu machen. Glücklich geworden wärest du in dem Umfeld auch nicht mehr.

Für zukünftige Rekruten in derselben Situation, die das evtl lesen:
Frühzeitig alles schriftlich melden (6einhalber); wenn bekannt ist, dass Gruppen- und Zugführer nutzlos sind, direkt an Schulkommandanten, Befehlskette hin oder her.
 
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Bin aktuell an der gleichen Situation und zwar wurde ich vor einem Monat aus der RS Ärtzlichentlassen und wollte in den Zivildienst wechseln (hab den Infotag erst im April) jedoch kommen bei mir immer wider die Gedanken rauf die RS vielleicht trotzdem nochmal zu versuchen.
Aber da ich aktuell gar noch nicht weiss wann meine neue RS geplant ist (auf dem Entlassungsscheinen steht das ich für die nächste RS wider aufgeboten werde) und ich vorhatte noch ein evtl. Funktionswechsel oder Standort Wechsel zu beantragen muss ich mich halt mal bald entscheiden.
weiss jemand wie ich am besten in Erfahrung bringe wann meine neue RS geplant ist ?
 
Meldet euch in solchen Fällen gerne auch direkt beim PPD A via Hotline. Wir haben nach einem Gespräch die Möglichkeit, beim Kader bis zum S Kdt zu intervenieren.
 
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