SRF Frauen im Militär – Belästigt, beschämt, überhört?

Spicke

Erfahrener Benutzer
19. Feb. 2014
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Vor einigen Wochen wurde beim SRF diese Beitrag ausgestrahlt: https://www.srf.ch/play/tv/rec-/vid...rf:video:604b2e89-5db2-40ae-b99d-6d065e180757
Zusammenfassung von 20min: https://www.20min.ch/story/gleichst...foerdern-und-gibt-ihnen-hodenschutz-103437973

Nun kann man ja von SRF und ihrer politischen Ausrichtung/Prioritäten halten was man will, trotzdem möchte ich gerne eine Diskussion über den Beitrag lancieren, da es mir doch seit Wochen immer wieder im Hinterkopf ist.

Mich stört an dem Beitrag, dass Frauen wieder mal in der Opferrolle dargestellt werden. Gleichzeitig wird so getan, als wäre das Militär für Männer ja das Paradis auf Erden.

Es werden nur Sorgen und Probleme von Frauen angesprochen:
  • Führungsfähigkeit wird auf Körpergrösse und Geschlecht reduziert. Es gibt auch Männer, die nicht allzu gross sind und Grössere befehlen müssen. Und auch als Mann führt man nicht einfach so mit Fingerschnippen aus dem nichts, wie meiner Meinung nach der Beitrag suggeriert. Auch als männliches Kader muss man sich Respekt, Vertrauen und Ansehen von seinen Unterstellten hart erarbeiten. Auch als Mann muss man sich Durchsetzungsvermögen aneignen und bekommt es nicht einfach, weil man etwas zwischen den Beinen hat.
  • Dumme Sprüche. Auch für Männer ist der Gruppendruck gross, Mobbing nicht unwahrscheinlich und auch hier fallen dumme bis beleidigende Sprüche. Ja, bei Frauen ist das ganze häufig sexualisiert, was nicht in Ordnung ist. Aber wieder wird in dem Beitrag suggeriert, dass Frauen so grosse Probleme haben, während Männer nicht unter psychischem Druck stehen.
  • Die Uniform ist für Frauen nicht bequem. Ist sie für Männer auch nicht unbedingt. Für Frauen gibt es ja mittlerweile auch eigene Unterhosen und so viel ich weiss Zulagen, um sich private Sport BH zu kaufen. MBAS wird ja Unisex. Was am TAZ 90, der ja auch sehr grosszügig geschnitten ist, nicht unisex sein soll, darf mir gerne jemand erklären.
    Spezielle Schutzwesten für Frauen sind wirtschaftlich einfach nicht rechtfertigbar. (Ist das überhaupt in irgendeiner Armee verbreitet?). Wir haben ja nicht mal genug für die Männer.
  • Tiefschutz. Ja, dann bekommt sie halt einen und versorgt ihn in der Tasche/Schrank. Als Qm/Logistikerin sollte sie wissen, dass es halt einfacher und besonders in der Kontrolle effizienter ist, wenn jeder das selbe Material hat und man nicht von 40 Leuten im Kopf haben muss, ob sie wer welches Material genau hat.
  • Strukturen. Was für Strukturen soll man denn aufbrechen? Militärische Strukturen haben sich über tausende Jahre evolutionistisch entwickelt, weil sie so am besten funktionieren. Ich weiss, der durchschnittliche Schweizer Soldat hat keine Kenntnisse oder Erfahrungen über ausländische Armeen, aber diese habe die genau gleichen Strukturen, weil so eine Armee halt funktioniert. Gäbe es eine bessere Art eine Armee zu strukturieren und zu führen, würden es doch schon viele so machen.
    Sollte sich die Armee so umstrukturieren, dass nicht mehr der Erfolg auf dem Gefechtsfeld, sondern das Wohlbefinden von Frauen im Zentrum liegt, werde ich in den Zivi wechseln. Sollens doch die Frauen richten, viel Glück mit euren neuen Strukturen.
Es stört mich einfach, was unsere Medien und in Verlängerung die Öffentlichkeit als ganzes offensichtlich für die Prioritäten hält. Ausserdem, dass so getan wird, als hätten Männer im Militär ja keine Schwierigkeiten.


So genug von mir. Wie seht ihr das? Bin ich der einzige Mann, für den das Militär kein Kinderspiel ist? Frauen, ist der TAZ wirklich so unbequem? Seht ihr hier auch die Prioritäten nicht nachvollziehbar?
 
Ich glaube gehört zu haben, dass die britische Armee Splieschus für Frauen angeschafft hat.
Bei solchen Beiträge und Diskussionen habe ich persönlich oft das Gefühl, dass gewisse Leute denken, die Armee wäre da um die AdAs zu stimulieren bzw ein gewisses Erlebnis bieten. Den eigentlichen Auftrag (Landesverteidigung) der Armee und ihre ausrichtung auf diesen Auftrag (+Ziv Ustü, Friedensförderung und Schutz vom Luftraum) wird vernachlässigt weil man (naiverweise) nicht an ihn Glaubt oder ihn politisch nicht unterstützen will.
Thema Tiefschutz: Auch Rechtsschützen bekommen den "Frosch" für das Bajonett, da gibt es in der Armee schon 1000 x schlimmer Logistikproblem (Sanmat, Mun, MBAS, usw.)
 
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Ich finde die Qualität des SRFs hat deutlich abgenommen. Immer wieder sehe ich, dass ein bestimmtes Bild/Vorurteil in den Köpfen der Redakteuren steckt und sie dann versuchen den Beitrag in diese Richtung zu lenken, statt sich selbst vom Gegenteil überzeugen zu lassen.
 
Es ist halt diese zeitgenössische "Nur weil ich eine Frau bin" Mentalität.

Ich kann nur bestätigen was @Spicke in seinem Beitrag angesprochen hat. Ich bin 1.70m und eher schlank gebaut, neben zwei von meinen Wachtmeistern, 2.00 und 1.90 sah ich immer wie eine Zwerg aus, da musste ich mir auch viele Sprüche anhören.
Wenn jemand dich beleidigen möchte sucht er sich halt willkürlich etwas raus, egal ob Du klein, gross, weiss, schwarz, männlich oder eben weiblich bist.
Respekt als Kader kommt auch nicht einfach vom Geschlecht sondern durch dein Fachwissen & Charisma.

Was man einfach nicht sehr weit bedacht hat bei dem Beitrag ist, dass dumme Sprüche und Ungehorsam ein alltägliches Phänomen ist in einer Milizarmee sind.
Aber statistisch ist es logisch, dass es bei 1% Frauen mehr auffällt als bei 99% Männern, wenn Frauen davon betroffen sind.
Dazu muss ich sagen, ich als Mann wurde während meinen 22 Monaten Dienst auch nicht einmal gefragt, ob ich denn Diskriminerung oder Benachteilugungen erlebt hätte. Aber selbst wenn, wäre dafür niemals ein SRF Beitrag gedreht worden.
Ich denke, der Beitrag macht das Problem grösser als es in der Realität ist - auch wenn die einzelnen Schicksale schlimm und inakzeptabel sind.

In meiner eigenen Wahrnehmung habe ich viel gewaltigere Auseinandersetzungen zwischen Deutsch-, Französisch-, und Italienischsprachigen Kameraden erlebt.
Eigentlich könnte man im gleichen Stil auch eine Doku über Rätoromanischsprechende machen und es würde am Ende das gleiche Narrativ rauskommen.

Ausserdem sollten wir uns auf eines alle gemeinsam einigen können:
Diese blöde Splizzerschutzweste ist für niemanden angenehm.

Enden möchte ich mit einem Zitat von Brigadier Peter Baumgartner:
"Das Militär hat sich nicht verändert, sondern die Gesellschaft."
(Seine Antwort auf die Frage eines Rekruten 2023, warum das Militär in den letzten Jahren verweichlicht ist)

Geniesst das Wochenende
LG