Meine Erfahrung als Oberleutnant
Guten Tag Kameraden,
seit dem 27. Februar 2023 bin ich recht aktiv auf dem ArmeeForum. Begonnen habe ich als verwirrter Zivilist, mittlerweile bin ich über zwei Jahre später ein Oberleutnant a.D.
663 Diensttage habe ich an einem Stück geleistet. Das sind 95 Wochen oder auch knapp 22 Monate.
Regelmässig habe ich hier im Forum Fragen gestellt, gestellt bekommen und reichlich beantwortet.
Diesen Eintrag wollte ich nun unbedingt verfassen, um für Interessierte hier im Forum einen kleinen Erfahrungsbericht festzuhalten, wie die Zeit als Offizier so war und was man wissen sollte, bevor man sich für diesen Weg entscheidet (sämtliche Bilder sind original aus meiner Militärzeit). Da Einträge auf dem Armeeforum auf maximal 10 000 Zeichen beschränkt sind, ist der vollständige Eintrag aufgeteilt in mehrere Einträge.
Wichtig zum Anmerken:
Die wichtigste Ressource in der Armee sind Menschen. Eure Erfahrungen können stark abweichen von meiner Erfahrung, da sich Schlüsselpositionen wie Klassenlehrer, Kommandanten, Kameraden etc. stetig ändern in der Armee.
Es ist ein dynamisches System und nichts ist in Stein gemeisselt.
Das hier sind Tatsachen, wie ich sie erlebt habe und meine Meinung dazu. Bei jedem von euch kann das anders sein und das ist legitim.
Kurz zu mir:

Selektion an der MP Schule 19
Die Selektion für die höheren Kaderfunktionen war anstrengend und trotzdem machbar, dafür aber nicht sehr originell. 70% Bestand aus Marschieren, 20% aus Fragen/Test, 10% Sport mit einem anschliessenden persönlichem Interview.Das war ein Zeitaufwand von ungefähr 12 Stunden mit Einsatzvorbereitung und Reorganisation. Die Übung selbst ging nur knapp von 22:00 bis 5:00 Uhr.
Ich war recht enttäuscht von der Selektion und von meinen Kameraden aus Kompanie 2 hörte ich grösstenteils ähnliche Ansichten.
Im Gegensatz zur Kompanie 1 haben die Wachtmeister bei der Kompanie 2 eine Selektion für die Unteroffizersschule. Viele von uns Wachtmeistern sind der Meinung, dass wir die Selektion für die UOS viel härter fanden als die für die OS.
Die UOS Selektion im Vergleich ging zwei ganze Tage, mit Biwak, Schutzmaskenparcour und einem wirklich tödlichem Leistungsmarsch auf 2100 Höhenmeter (Thyon 2000). Essen gab es am Morgen ein Gren-Pack und das Abendessen mussten wir auf einer Feuerstelle selbst kochen. Schlafenszeit war ungefähr 2 Stunden. Am nächsten morgen dann Schiessen mit Pistole und Sturmgewehr.
Da diese Selektion so nicht mehr durchgeführt wird ist es für zukünftige Anwärter nicht wirklich hilfreich zu wissen.



Offiziersschule in Liestal
Als MP ist man an der Infanterie Offiziersschule, bei uns war es aber noch so, dass wir eine reine MP Klasse waren, also wir uns speziell auf Einsatzverfahren der Militärpolizei und ihre Waffen fokussieren konnten.Ich empfand die Offiziersschule als eine einmalige Lebenserfahrung. Man erlebt Sachen, welche man nie mehr erleben wird (Super Puma fliegen, NATO-Packung schwimmen, 101km Marsch, Gefehtsschiesswoche & generell die Übungen mit Markier Munition). Ich habe vor allem gelernt mich unangenehmen Situationen zu stellen und lernen, dass ich in der Lage bin sie zu überwinden. Das Gefühl nach der 10-tägigen DHU und dem 101km Marsch ist ein überwältigendes Lebensgefühl, welches so gut wie jeden Aspiranten zu Tränen gerührt hat, mich eingeschlossen.
Diese Geschichten und Erinnerungen werde ich ein Leben lang behalten, weshalb ich unfassbar froh bin, dass ich das erleben durfte.
Was jedoch sehr zu kurz kommt in der OS – wobei mir viele Kameraden zustimmten – die wahre Vorbereitung auf die Rekrutenschule. Wie führt man effizient einen Rapport, wie schreibt man einen aufgehenden ZAP, wie stellt man formal korrekt gewisse Anträge, wie kontrolliert man seine Wachtmeister, etc…
Die Offiziersschule hat aus mir einen besseren Soldaten gemacht, aber nicht wirklich einen Führer.




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